Nachgedacht

Das Jahr 2014 ist Geschichte und von meinen Radtouren, Wanderungen und Motorradtouren hat es leider keine auf diese Seiten geschafft. Die Zeit habe ich genutzt um darüber nachzudenken: Will ich diese Seite so weiterführen, oder soll sie, wie so viele andere private Wanderseiten, den elektronischen Tod im Netz sterben? Macht sich überhaupt noch Jemand die Mühe, in Zeiten der schnellen und genau so schnell vergessenen Informationen, solche Beschreibungen unserer Heimat zu lesen? Hat diese Seite überhaupt noch eine Berechtigung zwischen all den Hochglanz- Luftbild- Natursendungen die unsere Medienwelt schon fast inflationär anbietet? Interessiert das hier noch Andere, oder zählen nur noch Supertouren um die halbe Welt, die dann regelmäßig Stadthallen füllen sollen?

Mein Fazit dessen ist ein deutliches: “Ja, ich mache weiter!” Nicht aus Trotz oder langer Weile, sondern weil ich genau diesen Weg gehen möchte, meine Erinnerungen und Eindrücke dieser Touren für mich lebendig zu erhalten. Wenn Ihr das als Besucher dann auch noch interessant oder lesenswert findet, wäre das ein schöner Nebeneffekt, der mich sehr freuen würde.

IMG_0218
IMG_0219

Es war 2010, als ich diese Seite in dieser Form begonnen habe. Damals war ich auf Wintertour im Triebtal und da zur Zeit sehr viel darüber diskutiert und aktioniert wird, habe ich mich heute mal persönlich dort umgesehen. Was gab es für einen Aufschrei als bekannt wurde, das der Forstbetrieb zum Waldumbau viele der alten Fichten fällen möchte. Sogar Gedenk- und Protestwanderungen wurden durchgeführt! Doch was ist eigentlich vom “alten Triebtal” noch übrig, daß von so vielen auf einmal wieder als “mein schönes Triebtal” bezeichnet wird? Was ist an den Plänen der Forstbehörde so verwerflich? Rückblickend, auf die alten schwarz/weiß Bilder aus Kindertagen, hat sich das Triebtal schon gewaltig verändert. Wenn wir als Kinder von einer Tour durchs Tal nach Hause kamen, waren wir regelmäßig kleine Dreckspatzen. Da gab es noch keine 2,5m breiten Schotterpisten für den markenbewußt eingekleideten Naturfreund. Für den man sogar Müllkübel im Wald aufstellt, weil er es nicht gelernt hat, seinen Müll wieder mit nach Hause zu nehmen. Geschweige denn, den dann auch noch in diesen zu entsorgen! Wir sind an den Felspassagen noch von Stein zu Stein gekraxelt und über Pfützen und Rinnsale gehüpft, was der moderne Wanderer von Heute entspannt auf eingeebnetem Terrain bewältigen kann. Da diese Spezies, genau so wenig wie zu Grüßen, anscheinend nicht gelernt hat Treppen zu steigen, werden dann im Naturschutzgebiet Trampelpfade angelegt, um diese zu umgehen.

IMG_0212
IMG_0220

Bitte versteht mich nicht falsch, ich will hier niemanden verteufeln, aber einiges, was mich an dem Thema stört, direkt benennen. Schaut man sich dort weiter um, findet man vieles, was den Waldumbau auch dringend nötig macht. So sind die monotonen Fichtenbestände, in die eingegriffen werden soll, auch nicht der typische Baumbestand solcher Täler. Das diese inzwischen sogar eine Gefahr für die Wanderer darstellen, kann man erkennen, wenn man an manchen Stellen fast 20% der Bäume abgebrochen mit Kernfäule im Wald liegen sieht. Eine gesunde Fichte bricht nicht, sie wird höchstens vom Sturm entwurzelt! Auch die Schäden, die solche Monokulturen durch Borkenkäfer und Co erleiden, sprechen für ein Umdenken und Umbauen der betroffenen Gebiete. Sicher wird sich dadurch das Gesicht des Tales weiter verändern, was sicher all die stört, die Ihre Häuser nach der Wende bis an die Talhänge bauten und jetzt Angst vor der Veränderung haben. Haben diese das Tal nicht verändert? Doch warum protestiert man jetzt so gegen diese Verändung? Das dann noch möglichst mit 1000 Leuten, die dann noch schön mit dem Auto bis direkt ins Naturschutzgebiet fahren... Sicher haben die Meisten, nicht wie ich, den Weg dorthin umweltbewußt mit der Vogtlandbahn zurückgelegt. Natur ist doch Veränderung! Jeden Tag, jede Stunde formt und erfindet sich Gottes Schöpfung immer wieder neu. Sie heilt auch Wunden, die Ihr zugefügt werden, weil daraus wieder Neues erwächst. Überlegt mal, wie die Wälder nach dem Krieg aussahen! Ein Elsterberger hat mir von damals Bilder gezeigt, als in dieser Notzeit rund um Elsterberg kaum noch ein Baum zu finden war. Schaut man sich heute dort um, glaubt man kaum, das dort alles kahl war. Blickt man ins Triebtal, so verändert sich dort auch Vieles, ohne unser Zutun. Da liegen riesige Felsblöcke mitten im Wasser, die irgendwann von Frost und Erosion in Bewegung gesetzt wurden und inzwischen schon wieder Grund für neues Wachstum sind. In den Bereichen, in denen die Bäume gefällt werden sollen, hat die Natur auch schon vorgesorgt. Da warten im Unterwuchs auch jetzt schon viele taltypische Laubbäume auf ihre Chance, das neu entstehende Licht für ihr Wachsen zu nutzen, ohne das sie irgendwann kraftlos verkümmert wären.

IMG_0227
IMG_0242

Welche Stilblüten der moderne Umweltaktionismus treibt, zeigen die überall im Wald verteilten Hinweisschilder. Da wird in schönstem Plastikmüll eingehüllt, druckertintengeschwärzt gegen dessen Verschmutzung protestiert. Das macht man natürlich umweltbewußt indem man den eigenen Müll mit Hanfschnur befestigt und darauf wartet, das Wind und Wetter dafür sorgen, diesen Müll im Wald zu verteilen. An anderer Stelle wird auf gleiche Weise über die “Gefühle” des Waldes und das frevelhafte Treiben der Menschen philosophiert?!?!

Das der Wald für uns als Mahnung und Gedächtnis funktioniert, kann ich ja nachvollziehen. So erkennt man wo vor Jahrzehnten, bedingt durch Umweltdreck und Monokulturen, Fehler begangen wurden. Genau so erkennt man aber auch nach Jahrzehnten, ob der Mensch daraus gelernt hat oder sich Veränderungsresistent an bestehendes klammert. Waldumbau ist Generationenwerk, was wir heute bedauern, werden uns die Enkel und deren Kinder danken. Nämlich dann, wenn sie durch ein Triebtal wandern, das dann ursprünglicher und gesünder zum Verweilen und Erholen einlädt.

Website Design Software NetObjects Fusion