Kaiserwaldtour

Nun ist es so weit! Lange angekündigt, findet heute unsere erste Motorradtour ihren Weg auf diese Seite. Bin ich dabei der Denker und Lenker, so ist meine Anja auf dem Rücksitz für die schönen Bilder zuständig. An diesem sonnigen und kühlen Aprilmorgen starteten wir gen Süden, um unser Nachbarland mal wieder etwas zu erkunden. Über die Höhen des Oberen Vogtlandes flitzte die “Dicke” mit uns ins Böhmische Vogtland, dem wir uns über Schöneck und Klingental näherten. Wofür wir gleich am Anfang mit super Aussichten belohnt wurden.

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In Tschechien angekommen suchten wir dann möglichst kleine, einsame und kurvige Wege um unsere Tagesziele zu erreichen. Von Olovi aus schlängelte sich der Weg über Berge und offene Flächen, mit glücklich weidenden Kühen, ins Egerbecken, nach Kynsperk nad Ohri. Im 12. Jh. gründete in der Nähe ein Minister Barbarossas die Burg Kinsberg. Im Laufe der Jahrhunderte verschollen, gibt sie auch heute noch dem Ort seinen Namen. Interessant ist, dass um die ehemalige Burg herum der erste Ort Böhmens entstand, der 1232 von Wenzel I. das Stadtprivileg erhielt. Zwischen 1551 und 1596 hatten auch die Herren von Plauen hier eine Zeit lang das Sagen. Viele Jahre nach deren Herrschaft entstand 1721-27 der Barockbau der Pfarrkirche Mariä Himmelfahrt. Neben anderen interessanten Sehenswürdigkeiten ist sie auch heute noch der markanteste Punkt der Stadt. Die nächste Etappe begann mit etwas “Sucherei”, denn das Sträßlein mit der blauen 212 hatte sich gut versteckt, also kurz mal umdrehen und etwas aufmerksamer schauen! Durch eine kleine Siedlung führte dann eine unscheinbare “Straße” ins romantische Tal der Mala Libava. In unzähligen Kurven schlängelte sie sich das Tal hinauf und durch schier endlose Wälder wieder hinunter nach Lazne Kynzvart. Der regional bewanderte Leser dürfte nun ahnen wo unser nächster Stop geplant war.... Genau, Zamek Kynzvart besser bekannt als Schloß Metternich. Am Rande des Schloßparkes stellten wir unsere “Dicke” zu einem entspannten Mittagsimbiss ab und genossen neben den mitgebrachten Leckereien auch die Schönheit der Anlage. Zamek Kynzwart wurde im 16. Jh. als Renaissancefort errichtet und steht nun, nach mehreren Um- und Neubauten wunderbar saniert für Besucher bereit. Das heutige Aussehen verdankt es Pietro de Nobile, der es im Auftrag des österreichischen Staatskanzlers W.L. Metternich, im Stil des Wiener Klassizismus umbaute. Aber auch die inneren Werte des Schloßes sind beeindruckend. So schlummert in der großen Bibliothek, neben mittelalterlichen Handschriften und wissenschaftlichen Enzyklopädien, der Nachlass des Dichters Alexandre Dumas. In der Schloßkapelle findet sich ein Marmoraltar, den Papst Gregor XVI. Fürst Metternich schenkte. 1862 tauchte hier auch eine “Zierpflanze” mit zweifelhaftem Ruf erstmals auf, denn ein Diplomat schenkte Metternich den Kaukasischen Riesenbärenklau...

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Viel älter als das Schloß ist der Ort Lazne Kynzvart, die erste Erwähnung stammt aus dem Jahre 927, als Kaiser Otto I. dieses Gelände dem Bischof von Regensburg übergab. Auch hier hatten die Plauener wieder Besitztümer, von 1387 bis 1516 gehörte ihnen Königswart mal mehr mal weniger, da sie es das ein oder andere Mal verpfändeten mußten. Die alte Burg der Plauener ist nur noch eine Ruine, in der man bei einer Besichtigung auf Goethes Spuren wandeln kann (Wo der sich überall herumgetrieben hat....). Als Kurort ist Lazne Kynzvart schon vor der ersten Erwähnung des Heilwassers 1454 bekannt. Die heutigen Badehäuser wurden im 19.Jh. errichtet. Gut gestärkt fuhren wir nun hinauf nach Kladska, der Ort auf dem Rücken des Kaiserwaldes beeindruckt mit seinem im alpenländischen Stil erbauten Jagdschloß, doch noch weitaus interessanter sind die großen Hochmoorgebiete, die seit 1933 unter Naturschutz stehen. Sie sind der gigantische Wasserspeicher für die Mineralquellen in Marianske Lazne und Lazne Kynzvart. Weiter über die Höhen des Kaiserwaldes, durch Prameny und Minichov gelangten wir ins Tal der Tepla. Motoradfahrerherz was willst du mehr? Kurven, Kurven Kurven.... in wunderbarer Natur!!!

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Im Tal begrüßten uns dann, von eine Bergsporn herunter, Burg und Schloß Becov. Anfang des 13.Jh. errichtet hatten auch hier die Herren von Plauen die Finger mit im Spiel. Ab 1411 bis 1495 waren sie Besitzer dieser Burg welche danach noch einige Besitzer hatte. Um diesen Kreis zu schließen wurde auch diese Burg verpfändet, aber diesmal an die Plauener (irgendwann zwischen 1547 und 1573). Als letzten Besitzer bis 1945 findet man die belgische Adelsfamilie Beaufort-Spontin. Den seit 1838 in ihrem Besitz befindlichen St.-Maurus-Schrein versteckten sie bei ihrer Flucht unter der Burgkapelle, wo er erst 1986 wieder gefunden wurde. Wunderbar restauriert, kann man ihn heute dort besichtigen. Nun wurde die Straße breit und in langgezogenen Kurven folgte die E49 der Tepla. Über die Mauer der Tepla- Talsperre fanden wir uns dann schnell in Karlovy Vary und somit wieder im Tal der Ohre(Eger).

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Aber wir wollten ja auch wieder nach Hause. Also irgendwie über die Berge zurück... Durch das alte Bergbaustädtchen Nejdek mit seiner 1757 errichteten Pfarrkirche St. Martin schlängelten wir uns nun das Tal der Rolava hinauf und folgten hinter Nove Hamry dem Cerna voda nach Jeleni. Da wir nun eine beträchtliche Höhenlage erreicht hatten, mußten wir feststellen, das der Winter noch reichlich Reserveschnee hier herum liegen hat... Also konzentrieren, Augen hellwach und Reflexe geschärft!!! Das war Faszination pur!!! Über Schnee und Eis mit dem “Reisedampfer” durch die Wälder um Rotava auf 925m Höhe und dann wieder hinab über Stribrna nach Kraslice. In Kraslice hieß es wieder Nordwärts und so hatte uns das sächsische Vogtland wieder. Der letzte Ritt, vorbei an Vogtlandarena und Talsperre Muldenberg, ließ uns noch Zeit zu einem entspannten Stop in Specky’s Rock- und Bikerkeller in Grünbach. Bei lecker Kaffee und Kuchen, und Gesprächen mit Specky beendeten wir einen wunderschönen Motorradtag, der uns viele interessante Eindrücke, fantastische Naturerlebnisse und auch ein paar kleine “Abenteuerchen” bescherte.

Bis bald Euer Zugvogel Andreas & Co

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