Im Ermland

Unsere Reise in ein vergangenes Deutschland, das von sinnloser Machtgier und völkermordendem Größenwahn verspielt wurde!!!

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Auf unserer Suche nach Erholung, Naturerlebnis und Geschichte, haben wir uns 2013 das Ermland auserwählt. Dieser Teil Polens, der oft fälschlicher Weise schon als Masuren bezeichnet wird, liegt einige Kilometer weiter westlich und ist quasi das Eingangstor dort hin. Nach einem langen Weg über Frankfurt, Poznan, Bydgoszcz und Grudziadz langten wir in dem kleinen Örtchen Karnity an. Das die Natur hier anders ist, zeigte uns schon auf der Anreise die riesige Zahl an Storchennestern in den Dörfern und die Ursprünglichkeit der Wälder und Seen längs des Weges. Das dortige Schloßhotel diente uns dabei als Verpflegungsstützpunkt. Unser Quartier schlugen wir in einer im Schloßpark gelegenen, und recht spartanisch eingerichteten Bungalowsiedlung auf. Somit waren wir dort die einzigen Ausländer umgeben von vielen polnischen Familien. Die deutschen Pauschalurlauber durften unter dem Dach des Schlosses schwitzen.

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Nach einer schönen Wanderung um den Jezioro Kociol, an dem unser Quartier lag, und einem Besuch im Abenteuerlabyrinth im Schlosswald, erfuhren wir uns, im laufe der Woche, die Weite der Landschaft mit dem Drahtesel. Leider kann keines unserer Bilder die wirkliche Größe und Einmaligkeit dieses Naturerlebnisses wiedergeben. Uralte Alleen, glasklare Seen, beinah endlose Wiesen und Wälder... du machst irgendwo Rast und hast das Gefühl: “Angekommen!” Hin und wieder quert man dabei einen Kanal, um dann beim genaueren Studium der Karte festzustellen, das wir am Oberländischen Kanal waren. Für Bootsfreunde ein absolutes Unikat, denn dort fahren Schiffe auf schiefen Ebenen über das Land. Entlang der Sandwege, welche wirklich Ortsverbindungsstraßen sind, bemerkt man erst nach einiger Zeit, welche Dimensionen einen umgeben. Da stehen alte Eichen mit bis zu 3 Meter Stammdurchmesser und weil es so viele davon gibt, fallen die einem im ersten Moment nicht einmal auf. In der üppigen Flora, kann man dann auch reichlich Fauna beobachten. Wie zum Beispiel einen Storch auf dem Weg, der sich gerade sein Mittag sichert und dazu eine etwa 1 Meter lange Ringelnatter vernascht.

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Das Ermland hat neben der Natur aber auch viel Geschichte und interessante Orte zu bieten. So setzten wir uns ins Auto und haben die näheren Städte in Augenschein genommen. Begonnen haben wir mit Ostroda. Als “Osterode in Ostpreußen” im 13. Jahrhundert um eine Ordensburg herum gegründet, ist von den alten Bauwerken nicht mehr viel vorhanden. So ist es leider in vielen polnischen Städten, da ja wir Deutschen unbedingt die Weltherrschaft zu erlangen suchten.... Trotzdem wurden dort etliche Burgen, Schlösser und Kirchen für die Nachwelt erhalten. So wie die kleine Ordensburg im Stadtzentrum, die ein beliebter Treffpunkt für Veranstaltungen in der Stadt geworden ist. Durch Zufall entdeckten wir dann das Busshuttle nach Milomlyn, dort bestiegen wir dann eines der Schiffe, die den Oberländischen Kanal befahren. Das sind lustige “Dampfer”. Gerade mal 2,8 Meter breit aber bis zu 20 Meter lang. Grund dafür ist die nur 3 Meter breite Bauart der Schleusen. Nach entspannter Fahrt auf dem sich durch die Hügellandschaft windenden Kanal, erreichten wir über den Jezioro Dreweckie das kleine Städtchen wieder. Beim anschließenden Stadtbummel fanden wir dann auch eines der vielen Denkmäler von Papst Johannes Paul II., auf den die Bevölkerung hier mit recht stolz sein kann.

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Der nächste Ausflug führte uns nach Elblag. Eine eigenartige Stadt, der man Ihre weit über 1000-jährige Geschichte kaum ansieht. Erste Erwähnungen datieren auf das Jahr 890. Sehr modern und ohne eigentliches Stadtzentrum, begann man erst 1990 wieder damit, dem Ort ein Gesicht zu geben. So wurden neue Häuser mit historischen Giebeln versehen. Rund um den Dom zum Heiligen Nikolaus wird so ein wunderbares Stadtbild geschaffen. Die dortige Uferpromenade soll sich so zum Tourismuszentrum und Tor zum Oberländischen Kanal entwickel. Als wir dort weilten, war es noch seeeeehr ruhig, was daran lag, das der Kanal umfassend saniert wurde und somit nur im südlichen Bereich befahrbar war. Wir haben schon einen weiteren Besuch geplant, der uns dann auf einen langen Bootstörn, über den Kanal und die Eylauer Seenplatte führen soll. Einmal so weit nördlich angelangt nutzten wir natürlich die Nähe zur Ostsee für einen Strandausflug. Auf einer schmalen Landzunge zwischen Danziger Bucht und Frischem Haff, nahe des Ortes Krynica Morska, genossen wir einen wunderbaren Badenachmittag. Lustig war dabei, das die Fischerboote keinen Hafen anlaufen, sondern über Seilwinden einfach auf den Strand gezogen werden.

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Ein Flyer, der uns unterwegs in die Hände fiel, lockte uns dann noch auf einen Abstecher nach Pommern. So landeten wir am Tag vor unserer Abreise am Fluß Nogat. An diesem Mündungsarm der Weichsel befindet sich die Stadt Malbork. 1274 als “Marienburg” vom Deutschen Orden gegründet hat sie den Namen der Burg übernommen. Was der Flyer als Ritter- und Mittelalterfest ankündigte, war eine unglaubliche Untertreibung! Allein die gigantische Anlage und Vielfalt des Burggeländes war schier atemberaubend. Dem entsprechend war reichlich “fahrendes Volk” vor Ort. Hunderte von Darstellern und Mittelalterenthusiasten bildeten einen Rahmen der seines gleichen sucht. Tausende Besucher tummelten sich auf dem Burggelände, Händler und Schausteller sorgten für das entsprechende Ambiente, etwa 100 Pferde säumten das Spektakel, welches mit super dargebotenen Ritterkämpfen zu faszinieren wusste. Überbordend gefüllt mit Eindrücken der Superlative, fuhren wir dann zurück zum Quartier. Der Abschlussgrillabend im Schloss Karnity, mit bodenständigen und landestypischen Leckereien lenkte uns dann noch mal von der Melancholie des baldigen Abschiedes ab. So konnten wir bis spät in die Nacht, einen wunderbaren Urlaub, am Lagerfeuer ausklingen lassen.

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Nach einem letzten Spaziergang ums Schloß und zum See, traten wir dann, am nächsten Morgen, die Heimreise an. Hunderte von Bildern im Gepäck, die uns diese Eindrücke immer mal wieder erlebbar machen, und mit der Gewissheit im Hinterkopf: “Wir sehen uns wieder” war der lange Weg nach Hause, recht leicht zu bewältigen.

Bis bald Euer Zugvogel & Co

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