Grenzgänger auf dem Rad

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Über ein Jahr ist es nun her, das mein Sohn und ich zu dieser Tour aufgebrochen sind, die ich Euch nun nicht länger vorenthalten möchte. Der Start war recht einfach, von der Garage bis zum Bahnhof sind es nun mal nur 5 Minuten und dann war nach kurzem Warten erst mal entspanntes Vogtlandbahnfahren angesagt. Angelangt in Bad Brambach sausten wir erst mal in den Ort um dann den alten Weg nach Plesna zu suchen. Nach einigen baustellenbedingten Bögen fanden wir diesen aber recht schnell und konnten unter alten Alleen hindurch unser Nachbarland erreichen.

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Hinter der Stadt Plesna fanden wir uns recht schnell in den kleinen Dörfern des Grenzgebietes, die ein so völlig anderes Aussehen haben als unsere Orte. Wild wuchernde Natur bis ins Ortszentrum, Häuser die von einstigem Wohlstand künden, aber nach Jahren der sozialistischen Mangelwirtschaft nur noch ein Schatten ihrer selbst sind. Bewohnt von Menschen die auf ein freundliches “Dobry Den” oder “Ahoi” genau so freundlich antworten. Zufrieden mit dem was sie haben, in einer lebendigen Dorfgemeinschaft! Von den vielen Wildkräutern am Straßenrand hatte es der Beifuß meinem kochbegeisterten Mitradler am meisten angetan. Am Ortseingang von Luby staunten wir dann nicht schlecht, als uns aus dem Vorgarten dieser Emu begrüßte. Dieser Weihnachtsbraten ist dann wohl doch etwas größer ausgefallen....

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Nicht weit empfing uns dann, in der alten Geigenbauerstadt Luby (für die ewig Gestrigen: Schönbach) die 1993 wunderbar sanierte Marien Kapelle. Der sie umgebende Friedhof zeugt mit schönen erhaltenen Grabstätten der ehemals deutschen Bevölkerung, von der nun wieder möglichen Pflege der Gräber durch die Angehörigen. Die Mischung der alten und neuen Gräber macht diesen Ort wirklich interessant. Nach dem steilen Stadtberg war es Zeit an das leibliche Wohl zu denken. Abseits der Touristengastronomie mischten wir uns einfach unter das Volk und landeten in einer kleinen Kneipe, die sonst sicher nur von Einheimischen besucht wird. Was dann die Kommunikation doch etwas erschwerte. Aber mit einem freundlichen Lächeln, ein paar Brocken Tschechisch, gemischt mit Englisch und Deutsch und Unterstützung der Hände beim Erklären, bekamen wir Zwei ein super leckeres echt tschechisches Mittagessen. Diese Stärkung war auch von Nöten, denn nach dem Ortsausgang wartete auf uns der lange Anstieg nach Wernitzgrün, den sogar mein Mitfahrer tapfer hinauf trat!

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Nachdem wir nun diesen Anstieg bezwungen hatten und uns die Wälder um Wernitzgrün wieder frei gaben, radelten wir entlang wogender Sommergerstenfelder hinauf nach Landwüst. Ehe wir das Örtchen aufsuchten, führte unser Weg aber auf den Wirtsberg, der mit seinen 664m der höchste Punkt dieses Tages war. Gekrönt von seinem recht ungewöhnlichen Aussichtsturm und der alten Triangulirungssäule bescherte uns dieser einen wunderschönen Rundblick in alle Richtungen des Vogtlandes. Nicht weit schaute schon der Kirchturm von Landwüst aus den Bäumen, und genau dieses Bild hatte ich später als Bilderrätsel bei Facebook eingestellt. Trotz in Aussicht gestellter Belohnung hat dieses aber keiner erraten können, so blieb die Flasche Eierlikör in meinem Besitz....

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Dann war es so weit! Landwüst war erreicht, und wenn man schon mal dort ist, darf ein Abstecher in’s Bauernmuseum nicht fehlen. Verteilt auf viele vogtlandtypische Höfe und Häuser, kann man sich hier ein Bild vom Leben unserer Vorfahren machen. Vervollständigt wird das ganze von echten Haustieren in den Stallgebäuden und wunderschön angelegten Außenanlagen, von denen es uns der Kräutergarten besonders angetan hatte. Nach einem ausgiebigen Rundgang ließen wir uns dann im Hof noch zu einem gemütlichen Kaffeepäuschen nieder.

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Stolz auf das bis dahin schon Vollbrachte und begeistert vom Gesehenen nahmen wir nun den letzten Abschnitt unserer Tour in Angriff. Flott hinab nach Schönlind das war ja einfach, der Anstieg hinauf nach Strässel hatte uns dann aber noch mal richtig gefordert, so das wir das steilste Stück doch schiebend zurücklegten. So hatten wir es fast geschafft, nach gut 50 km grüßte dann der Remtengrüner Aussichtsturm durch die Bäume und kündete von der nächsten Rast  bei Freunden in seiner Nachbarschaft. Das hatten wir aber nur gedacht! Aus der Rast wurde ein super schöner Grillabend an dessen Ende ich allein zum Adorfer Bahnhof fuhr um den letzten Zug nach Hause zu nehmen.

...bis bald Euer Zugvogel Andreas

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