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...auf den Spuren der Geschichte eines Baches

Los ging es diesmal fast vor meiner Haustür, an der Freizeitanlage Syratal an der Hainstraße in Plauen. Dort wo die Syra noch das Sonnenlicht sieht, ehe sie unter der Stadt verschwindet. Sieht erst mal nicht so sehr nach Geschichte aus... aber das täuscht! 1122 wurde sie erstmals erwähnt und der von ihr und der Weisen Elster geschaffene Bergsporn an ihrer Mündung ist der Gründungsplatz von Plauen. Na doch schon ‘ne ganz schön reife Dame. Aber nun raus aus der Stadt! Ein paar hundert Meter die Hainstraße entlang und schon ist man mitten in der Natur. So folgte ich dem verschlungenen Lauf der Syra. Entlang der Auwiesen, welche die Schrebergärtner nutzen, gelangte ich schliesslich zur Syratalbrücke und somit zum nächsten Geschichtspunkt. Diese von 1871-74 für die Bahnstrecke Plauen-Cheb errichtet Steinbrücke, dominiert mit ihren elf Bögen und 209m das Tal kurz hinter Plauen. Ob die Brücken von heute auch mal so solide alt werden?

Kurz vor der alten “Panzerstrasse” passierte ich dann die Lärchenallee, eine Anfang des 20.Jh. “zum Ausbau der Erholungslandschaft” für die Plauner Bürger angelegte Rodel- bahn. Aber was nützt die schönste Rodelbahn, wenn der Winter mal keine Lust zum schneien hat. Ihr gegenüber steht diese beindruckende Doppeleiche in den Auwiesen.

So wie an der Holzmühle bei Zwoschwitz. Hier her wurden im 2. Weltkrieg über 1000 Zwangsarbeiter verschleppt. Meist junge Leute aus der Ukraine von denen mindes- tens 678 ihre Heimat nicht wiedersahen. Viele von ihnen wurden auf dem Friedhof in Kauschwitz bestattet. Ohne den Gedenkstein würde in dieser Idylle, wohl kaum jemand an diese Zeit zurückdenken.

Doch so ein Bächlein hat auch seine dunklen Zeiten erlebt, was mich dann  schon nachdenklich stimmte.

Weiter, den Holzmühlenweg hinauf nach Zwoschwitz, verliess ich erst mal das Syratal für eine kurze Rast bei meiner Tante und den weiteren Weg etwas abseits des Tales. Hinter Zwoschwitz führte der Weg sanft hinauf zum Kulmberg, von dem man eine wunderschöne Sicht bis nach Schöneck dem “Balkon des Vogtlandes” hat. Hinter dem Kulmberg breiteten sich nun offene Felder und Wiesen vor mir aus. Das führt nun auch zum Ursprung des Namens Syra. Er leitet sich aus dem altsorbischen Wort “Zir” ab und bedeute Weide oder Futter. Nahe dem Dürrgut, einem Aussiedlerhof bei Kauschwitz zeigte mir mein Blick, wie weit die Stadt Plauen sich doch ins Umland erstreckt. Auf der Anhöhe hinter Kauschwitz durfte ich, mit der Plamag und dem Plauenpark die “Errungenschaften” unserer Industrie und Konsumwelt bewundern, ehe mich die dichten Wälder wieder aufnahmen.

...und nett, wie die Vogtländer nun mal sind, hat doch da einer sogar den Weg für mich markiert! Nötig wär’s nicht gewesen aber merkwürdig war die Gegend schon. Lichte Birkenwälder, so weit das Auge reicht... hier? Bin ich denn in der Taiga? Nein, ich war auf der Syrauer Heide angekommen! Dieser ehemalige Truppenübungsplatz der Roten Armee ist inzwischen ein ungewöhnliches Stück Heimat geworden, mit seinen Wäldchen und Heideflächen die so manche Geschichte erzählen könnten. So von kecken Pilzsuchern, die dann doch schnell das Weite suchten, als das eine oder andere Stück Blei um ihre Ohren flog. Von abenteuerlichen Tauschgeschäften, in denen für etwas “Wässerchen” so manch “Kleinod” neue Besitzer fand. Oder vom entbehrungsreichen Leben der armen Soldaten, tausende Kilometer weg von Zuhause und zum Teil geschunden wie Vieh. Doch die militärische Nutzung des Geländes begann schon früher. Etwas weiter Richtung Mehlteuer, ganz in der Nähe der Syraquelle, hatte im Zweiten Weltkrieg dieser Wald ein Geheimnis verborgen. In dem Märchenwald genannte Waldstück nahe der B282 befand sich unter Tarnnetzen verborgen das “Geheime Waldwerk”. In dieser Aussenstelle des fränkischen KZ Flossenbürg stellten Häftlinge Teile für das Jagdflugzeug ME 109 her, die dann am alten Plauener Flugplatz endmontiert wurden. Obwohl ich zehn Jahre die Syrauer Schule besuchte, war auch mir dieser Punkt unserer Geschichte fremd. Der Leiter des Modellbaukurses in der Rückertschule in Plauen hat mich sehr ausführlich und beeindruckend darüber informiert.

Aber nun genug vom martialischen Säbelrasseln. Etwas weiter des Wegs am Rande von Mehltheuer findet sich das christliche Gästehaus Friedenshort. Ein Ort der inneren Einkehr und Besinnung, mit Übernachtungsmöglichkeiten, in der Stille der Mehltheurer Wälder. Dies liess ich dann hinter mir und trollte mich Richtung Bahnhof. Dort enterte ich mir einen Triebwagen der Vogtlandbahn und ob ihr’s glaubt oder nicht, ich wurde zum Schwarzfahrer wider Willen. Der Fahrscheinautomat defekt, der Lokführer im Stress, kein Zugbegleiter weit und breit. Ich konnte machen was ich wollte keiner wollte meine “Fahrgroschen”! Danke liebe Vogtlandbahn GmbH! So genoss ich den Rückweg nach Plauen, mit einem etwas unguten Gefühl im Bauch. Am Plauener Bahnhof erwartete mich dann das abschliessende Stück Weg zurück ins Syratal. Begrüsst von den das Stadtbild prägenden “Punkthäusern” tippelte ich der Nachmittagssonne entgegen nach Haus.

Bis bald Euer Zugvogel Andreas

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