Wandern in zwei Welten

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...und was soll das bedeuten? Ganz einfach, unser letzter Urlaubstag zeigte uns, wie grundverschieden die beiden Seiten des Riesengebirges sind. Bei schönstem Wanderwetter starteten wir auf der tschechischen Seite. Auf gut befestigten Wegen, vorbei an üppig blühenden Sumpfgraswiesen, mit dem ein oder anderen Moorloch und schönen Ausblicken auf bizarre Felstürme bummelten wir gemütlich in unsere Abschiedsrunde.

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Doch von gemütlich sollte bald keine Rede mehr sein und unser Abenteuer begann. Grenzübertritt nach Polen und alles sieht verändert aus. Die uns bekannten grünen Wälder Tschechiens waren hier einiges kahler, was sich daraus erklärt, das die strickte Naturschutzrichtline im polnischen Nationalpark keine Aufforstung der in den 70er und 80er Jahren gestorbenen Wälder zulässt. Da die Eingriffe in die Natur auf ein Minimum beschränkt sind, sehen hier auch die Wege etwas anders aus, wenn man sie denn überhaupt sieht. Ja, die Markierungen waren nicht zum Spass dort, der Weg führte über diese riesigen Geröllberge und durch dichte Jungfichtenbestände... also Augen zu und durch, und ja nicht die Mütze im Geäst verlieren

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Aus dem Dickicht heraus begrüsste uns dies Vögelein, als wir zum Naturhöhepunkt unserer Tour kamen. Die Czarny Kociol Jagniatkowski (Schneegruben von Jagniatkow) Dieser Gletscherkessel auf ca. 1100m Höhe ist nur in der schneefreien Zeit begehbar, da an seinen über 200m hohen Wänden im Winter extreme Lawinengefahr herrscht. Die Gunst der Stunde nutzend, genehmigten wir uns erst mal eine Rast, bei der uns nur einige Waldinsekten neckten. Menschen traf man hier fast keine, abseits der Touristenströme allein mit der Natur: “Wandererherz, was willst du mehr?”

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Naja, irgendwann mussten wir dann doch weiter. Also hinauf und die Wände erklommen. Steil und eher einem Bach gleichend führte der Weg nach oben. Geschafft! Nicht nur die Aussicht war phantastisch sondern auch das Echo, das wir “Schreihälse” den Felswänden entlockten, ehe wir uns den Weg zurück in die Zivilisation, durch kleine Krüppelkiefernwälder erkämpften. Über den Kamm hinweg gelangten wir wieder nach Tschechien und steuerten zielstrebig, die schon Tags zuvor genutzte Martinovka für eine Erfrischung an. Auf bequemen Wegen begann nun das letzte Drittel dieser Tour.

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Dem Weg des leckeren Böhmischen Bieres folgend (natürlich gab’s das nur für mich) steuerten wir von Baude zu Baude. Der nächste Halt war dann an der Bradlerovy Bouda, wo wir die wunderschöne Aussicht über die Hochwiesen genossen. Aber nicht zu lang ein paar Kilometer waren’s ja noch, also auf geht’s! Die nächsten 2 km schlängelte sich der Weg stetig bergan hinauf zu den Ptaci Kamen, auf den dortigen 1258m Höhe entdeckten wir, zwischen den Bäumen, auch den Ausgangspunkt unseres Aufstiegs. Über die Kuppe hinweg, auf schmalem Pfad, landeten wir dann an der Moravska Bouda. Und wenn ihr glaubt, das nach 15km über Stock und Stein, bergauf und -ab mein “Kleiner” geschaft war, dann seht euch mal das letzte Bild an. Egal welche Sprache Kinder sprechen, Freunde finden sich überall und wenn das noch gemeinsam so viel Spass bereitet, könnte der Tag gern länger sein.

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So endete also unser Urlaub, mit etwas Wehmut im Herzen wanderten wir zu unserer Baude zurück. Reich an Erlebnissen und neuen Eindrücken, vollgetankt mit der aus der Natur gewonnen Energie und Freiheit, fiel es nicht leicht die Koffer zu packen. Aber wie sag ich immer so schön: “Wir kommen wieder!!!”

...bis bald Euer Zugvogel Andreas

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