...in und um den Kiel bei Mühlleithen

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Nach eingehendem Studium der Wetterkarte zog es uns hinaus in den Naturpark Erzgebirge - Vogtland, in welchem wir uns dem idyllischen Sport und Urlaubsort Mühlleithen zuwendeten. Am dortigen Loipenhaus begann unsere Wanderung, und auf den Spuren der Flößer und Bergleute folgten wir dem gut ausgeschilderten Lehrpfad rund um den Kiel, den mit 943m höchsten Berg dieser Region. Hinter dem Unteren Floßteich empfing uns das ursprüngliche und wilde Steinbachtal mit den ersten überraschenden Entdeckungen.

Ehe wir an der Radiumquelle vorbeikamen, mussten wir mit Erstaunen feststellen, das hier in grauer Vorzeit sicher seeeehr große und starke Menschen diese Gegend bewohnt haben müssen, wenn hier im Wald solch riesige steinerne Pantoffeln herum liegen. Weiter das Tal hinab fanden wir einen abgebrochenen Baum der auf faszinierende Weise Moosen und Pilzen einen idealen Lebensraum bot. Schade das in unseren Kulturwäldern so etwas nur noch selten zu finden ist. Aber Mutter Natur hielt noch andere kleine “Wunder” für uns bereit.

So wächst zum Beispiel am Hirschenstein aus blankem Fels eine Fichte in die Höhe. Als wir diesen erklommen hatten bot sich uns nach ein paar Metern ein schöner Blick auf die Kleinen Aschberg- schanzen. Doch wer schlägt eigentlich so eine Schneise einfach so in den Wald? Diese Frage beantwortete sich ganz schnell, den nach kurzem Umsehen stellten wir fest, das wir auf der Alten Aschbergschanze gelandet waren. Den Floßgraben folgend fanden wir am Wettinplatz eine schöne Raststelle, an der wir uns für den weiteren Weg stärken und unsere Ausrüstung durch handgeschnitzte Wanderstöcke ergänzen konnten.

Im weiteren Verlauf des Kielfloßgrabens staunten wir, das dieser auch heute noch genutzt wird. Die dort ausgelegten GFK Schalen sammeln das aus dem Wald drängende Wasser und führen es auf diesem alten Weg in die Talsperre Muldenberg, um so der Trinkwasserversorgung des Reichen- bacher Raumes zu dienen. Doch auch hier fand sich eine lustigere Nutzung. So entfernten wir die im Graben liegenden Äste und “flößten” die im Wasser schwimmende Blätter talwärts. In der Nähe des Mundloches am alten Peterstollen gab es dann auch die Möglichkeit die Wasserkraft greifbar zu erleben. An diesem unterschlächtigen Wasserrad kann man sehen wie viel Kraft solch ein kleines Rinnsal schon hat. Am Abzweig zur Schneckensteinhalde rief dann mein kleiner Mitwanderer “Papa kuck mal, ne Eule” . Klar hab ich nach oben gesehen und reichlich Gelächter geerntet. Kinderaugen sehen eben auch in alten Baumstämmen Phantasietiere.

Verwundert und begeistert von dieser unbeküm- merten Kinderphantasie, begann ich unsere Wanderung mit anderen Augen zu sehen und so zogen wir fröhlich beschwingt weiter. An der im Umbau befindlichen Halde war dann natürlich das Baugerät von großem Interesse, das bei der Renaturierung des Bergbauerbes hilft. Nachdem wir die in der Nähe liegende 883 Meter hohe Schneckensteinhalde bestiegen hatten, belohnte uns unser Vogtland mit einer wunderbaren Sicht zur neuen Skisprungschanze der Vogtland Arena und mit einem gigantischen Ausblick über das Vogtland nach Böhmen.

Durchgeblasen vom frischen Bergwind verkrümelten wir uns wieder in die Wälder zu einem der Höhepunkte unserer Wanderung, den durch seinen einzigartigen Gesteinsaufbau einmaligen Topasfelsen in Europa. Der Schneckenstein wurde im 18. Jahrhundert bergmännisch genutzt um die im Quarzit eingeschlossenen Topase abzubauen. So ist heute nur noch etwa ein Drittel des Felsens übrig. Einige der abgebauten Topase findet man im Dresdener Grünen Gewölbe und in der Krone der englischen Königin. Um selbsternannte Schatzsucher zu bremsen, steht er heute unter Naturschutz und wird sicher eingezäunt bewacht. Aber das machte uns nicht bange und so suchten wir im umliegenden Wald unsere eigenen kleinen Schätze; wunderbar glitzernde und schimmernde Quarzite. Die nicht nur Kinderaugen zum leuchten bringen!

Nur wenige hundert Meter entfernt tauchten wir dann unter den Kiel, mit einem schallenden “Glück auf” ins kälteste Bergwerk Sachsens ein. Die heute stillgelegte Grube Tannenberg ist mit ihren auch heute noch funktionierenden Geräten ein echtes Abenteuer unter Tage. Für Feinschmecker ein kleiner Insidertip: Hier wird der berühmte Grubenstollen gelagert! Im Außenbereich findet man einen von ausgedientem Bergbaugerät dominierten Abenteuerplatz der einen Einblick in die technische Vielfalt des Bergbaus gibt.

Dem eisigen Schlund entkommen strebten wir dem mit 910 Metern höchsten Punkt unserer Wanderung entgegen. An der Kielpinge, die ihren Namen dem dortigen Zinnabbau verdankt, konnte man an den lichten Wäldern mit niedrigen geduckten Bäumen das rauhe Klima dieser Höhe erkennen. Nahe dem Waldweiler Winselburg fand sich auch das Modell eines Meilers zur Holzkohlegewinnung, das einen Blick ins innere eines solchen Gebildes ermöglicht. Kurz vor unserem Ziel lachte uns aus dem Wald noch ein Baumgesicht an. Dieses Lachen nahmen wir mit, um den letzten Kilometer bei einsetzendem Regen durch die Pfützen platschend hinter uns zu bringen. Nur der Abschluß auf der Sommerrodelbahn viel dadurch leider sprichwörtlich ins Wasser. Aber wir kommen wieder!

Bis bald euer Zugvogel Andreas

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