Ein undressierter Intressierter

Besuch_im_Atelier
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Grossmutterchen
Altes_Bauernhaus
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Pause

Im benachbarten Bauernhof seines Großvaters Knüpfer fand Paul seinen Lieblingsaufenthalt. Durch dieses Erleben der bäuerlichen Umgebung in seiner Kindheit wurde er, wie er später selbst sagte, in seinem Schaffen sehr geprägt. Wie sehr Paul Söllner an seiner Heimat hing zeigt ein nach der Zersiedelung der Jößnitzer Flur 1929 entstandenes Gedicht:

So bezeichnete sich Paul Söllner auf dem Einband seines handgeschriebenen Gedichtbandes. Die mit seinem Namen untrennbar verbundenen Synonyme “Vogtlandmaler” und “Bauernmaler” treffen eine wesentlichen Seite seines künstlerischen Schaffens, die ihn noch heute, viele Jahre nach seinem Tod, über das Vogtland hinaus bekannt macht. Ihm ist es in seinen Werken gelungen, die einzigartige rauhe Schönheit unserer Heimat und der von ihr geprägten Menschen, für uns bildlich greifbar darzustellen. Wobei er auch hin und wieder ironische Seitenhiebe gegen die Einfalt der Menschen verteilte, und auch sehr kritisch das Geschehen seiner Zeit beurteilte. Paul Söllner wurde am 6.Juni 1877 in Jößnitz bei Plauen als Sohn des Kirchschullehrers Heinrich Söllner geboren. Schon früh im Jahre 1881 starb seine Mutter, so das er von seiner Stiefgroßmutter aufgezogen wurde, welche mit ihrer großmütterlich-nachsichtigen Weise das Gegenstück zu des Vaters patriarchischer Strenge bildete. Sein Vaterhaus, die alte Schule neben der Kirche, teilten auch seine Geschwister Martha, Emil und Marie mit ihm.

Jößnitz

Die Flur die gleich der Mutter traut, mich in der Kindheit angeschaut, die meine Väter treu gehegt, bis müd’ sie sich ins Grab gelegt,

Du meine Heimat, heil’ger Raum, ist’s möglich, hier, noch faß’ ich’s kaum, wo Ähren wogten, still die Linden standen, da wühlen gierig Spekulanten.

Nur fremde Augen, feindlich kalt, begegnen mir in Wies’ und Wald, und sagen, wenn ich wiederkehr’ Hier hast du keine Heimat mehr!

Bis 1891 besuchte er die Volksschule in Jößnitz wo sein Vater frühzeitig seine künstlerische Begabung erkannte, und so ging Paul Söllner an die “Königliche Industrieschule” in Plauen. Hier sollte er Musterzeichner für die Spitzenfabrikation werden. Die strenge Ausbildung und das langweilige Musterzeichnen verleideten ihm jedoch diese Ausbildung, so das er 1896 um eine umfassende künstlerische Ausbildung zu erhalten, als Volontär in das Atelier Friedrich Rudolf Zenkers wechselte, doch auch hiervon war er enttäuscht und strebte daher nach einem Studium an der Kunstakademie Dresden. Die Zeit in der Industrieschule bezeichnete er später als “Grab seiner Jugend”. Sein Studienvorhaben schob er auf Grund des schlechten Gesundheitszustandes seines Vaters bis zu dessen Tod 1898 vor sich her. Danach hieß das Ziel seiner akademischen Sehnsucht München. Die Kunstmetropole genoß damals den Ruf die kunstfreundlichste Stadt im Reich zu sein.

In München besuchte er zuerst die Zeichenschule von Prof. Heckel, und entfaltete in dieser Zeit, angeregt durch diesen, eine alle Kräfte beanspruchende Aktivität. Seine besondere Vorliebe fürs Malen veranlasste ihn, früher als für ihn gut war, die Malschule von Prof. Ludwig Löwfftz zu besuchen. Die dadurch hervorgerufene tiefe Krise konnte er ernsthaft ringend Überwinden und wachsende Erfolge verbuchen. Diese spornten seinen Eifer dermassen an, das er gegen Ende seines Studiums alle Kräfte verbraucht hatte und an Tuberkulose erkrankte. Die Krankheit zwang ihn sein eigenes Atelier in München aufzugeben, und nach einer Reise in die Alpen kehrte er 1903 ins Vogtland zurück. Er lebte zeitweilig bei seinen Geschwistern und durch die Besserung seines Gesundheitszustandes erlaubte er sich einen viermonatigen Studienaufenthalt in Paris. Schliesslich lies er sich, in der 100.000 Einwohner Metropole Plauen, in der Pausaer Straße 116 in einem Kelleratelier nieder. Was seiner Gesundheit sehr abträglich war.

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Das Lungenleiden zwang ihn 1908 eine Heilstätte in Sülzheim im Südharz aufzusuchen. Geheilt, aber mit nur noch einem Lungenflügel kehrte er zurück und konnte eine ihn zutiefst beeindrucken- de Italienreise unternehmen. Auf Anraten seines Arztes zog Paul Söllner endlich aufs Land nach Fröbersgrün. Dort baute er mit seinem Schwager Hermann Schultz ein Haus am Ortsrand. Seine sich dadurch wieder stabilisierende Gesundheit erlaubten ihm dann noch einige Reisen in die Alpen und nach Franken, auch eine Reise nach Italien konnte er noch machen. Bis zu seinem, durch die wieder ausgebrochene Krankheit, verursachten Tode am 28.April 1947, arbeitete und lebte Paul Söllner in Fröbersgrün. Auf dem hiesigen Friedhof unter einem schlichten Holzkreuz findet sich heute noch sein Grab.

Paul Söllner hinterließ ein reiches künstlerisches Werk, das heute noch in den Museen in Plauen, Mylau und Greiz zu finden ist. Auch in vielen Privathaushalten gibt es Bilder von ihm, die dort in Ehren gehalten werden. Die trefflichste Beschreibung seines Schaffens findet sich in einem Artikel von Frank Weiß dem Leiter des Vogtlandmuseums in Plauen:

Mensch und Landschaft im Werk des vogtländischen Malers Paul Söllner

...das Vogtland bildete die reiche Quelle seines künstlerischen Schaffens ---- die Landschaft als Stimmungsträger im Wechsel von Witterung und Jahreszeiten und die Vogtländer, die Söllner am ausgeprägtesten unter der Landbevölkerung fand. Dem talentierten, grüblerischen, suchenden Künstler gelang es, in das Wesen der darzustellenden Menschen oder Land- schaften einzudringen und sie in schlichter, herber Weise glaubhaft zu gestalten, ohne dabei in platten Naturalismus zu verfallen. In seinen besten Porträts erreichte er eine ungeschminkte Tiefe und Wahrheit, die beispielhaft ist und die stille Größe des arbeitenden Menschen zeigt. Söllner gab die Dargestellten in ihrer ganzen Menschlichkeit wieder, Charaktere, wie er sie sah und kannte, ohne zu beschönigen

Am besten gelang ihm das vielleicht bei den Alten, die gezeichnet sind von einem langen schweren Leben, das harte Arbeit, Entbehrungen, manche Freude und manchen Schicksalsschlag enthielt. Hier wurde er zum Menschenbildner im besten Sinne, der über den Bauernmaler hinausweist....

Frank Weiß 1982

Das rechte Bild “Besuch im Atelier” ist eine seiner, heute noch mehr als zu seiner Zeit zutreffenden, Kritiken an uns Menschen. Die, wir, ungefragt schnatternd und blökend unsere Meinung kundtun, ohne das Gesehene zu verstehen und ohne es auch nur im Ansatz zu hinterfragen.

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